Elternwohnen

Wir haben in unserer Arbeit auch die Erfahrung gemacht, dass sich die Kinder und Jugendlichen von
ihren Eltern deutlich entfremdet haben. Häufig wiederkehrende Muster lassen erkennen, dass die Eltern Ängste entwickeln, ihre Kinder wieder aufzunehmen, aus Sorge vor einer Eskalation im häuslichen Bereich.

Ein weiterer Grundstein unserer Arbeit wird deshalb das Elterncoaching sein. Denn reine theoretische Beratung greift wenig und führt, wenn überhaupt, nur kurzfristig zu einer Verbesserung im häuslichen Umfeld. Ohne ein Einwirken von Außen verbleiben die Betroffenen meist in einer für sie destruktiven Interaktionsschleife, die es aus unserer sozialpädagogischer Sicht aufzulösen gilt.

Hierfür haben wir auch entsprechende Räume, beispielsweise eine
 Einliegerwohnung, in der völlig authentisch das gemeinsame Leben innerhalb einer Familie simuliert und geübt werden kann. Die Wohnung bietet eine komplett möblierte Wohneinheit mit Küche und Bad. Zudem können die Familien auch an Wochenenden oder in Urlaubszeiten mit ihren Kindern übernachten.

Bei solchen Prozessen wird anschließend und gemeinsam, mit speziell geschultem Personal, die Familiensituation ausgewertet. Dabei geht es vorrangig darum, ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern aufzubauen, um ihnen eine

adäquate Selbstreflexion zu ermöglichen. Ziel wird es sein, grundlegende erzieherische und kommunikative Mittel zu besprechen sowie Verhaltensstrategien aufzuzeigen, die zu einem geglückten Miteinander führen.

Durch unser nachhaltiges Bestreben mit den Eltern zusammenzuarbeiten, nehmen wir nicht nur teil an den neuen Lebensentwürfen, sondern beteiligen uns auch an deren Umsetzung, die wir kontinuierlich mitverfolgen und auswerten. Dabei achten wir besonders auf klares und verbindliches Handeln, das uns ermöglicht, keine utopischen, sondern erreichbare Ziele zu formulieren, für deren Gelingen wir auch Handlungsschritte definieren, mit dem endgültigen Ziel: Durch Konfliktbewältigung die erneute Integration des Kindes in der Familie herbeizuführen.

In unserem Alltag erleben wir, nicht immer, aber sehr häufig, dass sich die Aussicht auf die Wiedereingliederung des Kindes motivierend auf die Eltern auswirkt und sie somit zugänglich für psychologische und therapeutische Hilfe sind. Hieraus resultierend werden von uns schrittweise Telefonate und Begegnungen vorbereitet und begleitet, wobei wir vorrangig die Interessen des Kindes wahrnehmen und für die Eltern immer als Ansprechpartner erreichbar sind.

Sobald sich die neugewonnene Verlässlichkeit und Kompromissfähigkeit in der Beziehung zwischen Eltern und Kind festigt, gehen die Beteiligten – abhängig vom therapeutischen Befund – entweder dazu über, dass Kinder über längere Zeiträume wieder im Elternhaus wohnen oder dass Eltern in die Einliegerwohnung, die sich auf unserem Gelände befindet, vorübergehend einziehen und mit ihrem Kind zusammenleben, wobei wir sie jederzeit begleiten und unterstützen können.

Werden die neuen Belastungssituationen, die wir stets fachlich betreuen und reflektieren, bestanden, mündet der Prozess in der Rückführung des Kindes in das Elternhaus. Stellt sich im Laufe dieser Zeit heraus, dass eine Rückführung in die Familie für alle Beteiligten nicht sinnvoll scheint, werden, immer im Blick auf das Kindeswohl, unter Miteinbeziehung aller involvierten Bezugs- und Betreuungspersonen andere Möglichkeiten und Perspektiven gefunden.

Hieraus entspringt eine neue Beziehungsqualität für alle Beteiligten, die auch dann relevant ist, wenn der Prozess scheitert. Denn selbst wenn keine Rückführung stattfindet, so gewinnen alle Beteiligten jene Klarheit, die absolut notwendig ist, um sich der Zukunft und dem eigenen Lebensentwurf zu widmen.

Großen Wert legen wir auf wöchentliche Gespräche, sei es am Telefon oder vor Ort, damit regelmäßiger Austausch zwischen Eltern und Kind stattfindet. Zudem beziehen wir Eltern in alle grundlegende Absprachen ein. Ebenso tun wir alles damit sich Eltern an dem Hilfeprozess beteiligen.
 

Vorurteilsfreie Begegnungen - sowohl mit Kinder als auch mit Eltern - zu hegen, ist für uns essentiell,
denn Eltern werden oft von Gewissensbissen und Scham geplagt, die nicht selten zu Versagensängsten führen. Zeitgleich befürchten sie, dass ihr Kind nur die „Schokoladen-Seiten“ zeigt, sobald Betreuer dabei sind, so dass ihr Verhalten umso schlimmer erscheinen könnte. Sie fürchten das Moralisieren und den fachlich pädagogischen Zeigefinger. Genau hierbei unterstützen wir die Eltern therapeutisch und laden sie ein, so oft, und wenn möglich, regelmäßig an Wochenenden ihre Kinder zu besuchen. Die Zeit wird genutzt, um positive Veränderungen oder sich anbahnende Potenziale in den Vordergrund zu stellen. Es wird hinterfragt: Was läuft gut? - zugleich werden Konflikte und Schwierigkeiten unter dem Brennglas „Lösungsorientiertes Handeln“ betrachtet. Durch unsere räumlichen Möglichkeiten besteht hier immer Potenzial zum Eltern-Coaching, denn es ist immer ein Ansprechpartner in der Nähe. Gerne helfen wir natürlich auch bei Geburtstagen, Jugendweihen und ähnlichen Höhepunkten, sei es um diese zu planen oder durchzuführen.

Die Beziehung zwischen Geschwistern hat im Rahmen einer Fremdunterbringung eine große Bedeutung. Sie aufrecht zu erhalten, trägt wesentlich zum emotionalen Wohlbefinden der Kinder bei. Geschwister sind gerade dann wichtig, wenn sich Familienstrukturen verändern. Gemeinsam untergebrachte Geschwister halten so eher die Bindung zu der Herkunftsfamilie. Für den Fall einer Rückkehr in die Herkunftsfamilie kann dies von großer Bedeutung sein. Im Prozess der Reorganisation der Familie stehen sie für Beständigkeit. Geschwister können den Betroffenen stärken. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich ihre Beziehungen sind und wie sehr Geschwister sich gegenseitig stärken und bereichern können, wenn eine familiäre Trennung erforderlich ist. Eine gemeinsame Unterbringung von Geschwistern kann helfen, den Verlust der gewohnten Umgebung zu verarbeiten und einem vorzeitigen Abbruch entgegenwirken.

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